FUNCAP-Fragebogen erklärt: Schweregrad bei ME/CFS und Long COVID messen

The FUNCAP Questionnaire Explained: Measuring Severity in ME/CFS and Long COVID

Was FUNCAP misst, wie die Auswertung funktioniert und wofür der Fragebogen im Alltag mit ME/CFS und Long COVID genutzt wird.

Wer sich mit Pacing bei ME/CFS oder Long COVID beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff FUNCAP. Der Fragebogen hat sich in den letzten Jahren als eines der am besten dokumentierten Instrumente etabliert, um den Schweregrad der Erkrankung objektiver zu erfassen – als Ergänzung zum reinen Bauchgefühl "heute geht es mir schlechter". Dieser Artikel erklärt, was hinter FUNCAP steckt, wie die Auswertung funktioniert und wo die Grenzen liegen.

Was ist FUNCAP?

FUNCAP steht für Functional Capacity und ist ein Fragebogen zur strukturierten Selbsteinschätzung der funktionalen Kapazität bei Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Er wurde in einer patient:innenorientierten Studie entwickelt und peer-reviewed veröffentlicht (Journal of Clinical Medicine, MDPI). Ziel ist es, sowohl den aktuellen Schweregrad möglichst präzise zu erfassen als auch den Krankheitsverlauf über Zeit nachvollziehbar zu machen – etwas, das bei einer stark fluktuierenden Erkrankung wie ME/CFS besonders wertvoll ist.

Wie ist der Fragebogen aufgebaut?

FUNCAP existiert in zwei Versionen:

Beide Versionen nutzen dieselbe siebenstufige Antwortskala von 0 bis 6 – von "komplett nicht möglich" bis "keine funktionale Einschränkung". Bewertet wird dabei nicht ein einzelner Extremtag, sondern ein typischer Tag innerhalb des letzten Monats, um sowohl "gute" als auch "schlechte" Tage realistisch einzuordnen.

Wofür wird FUNCAP genutzt?

Der Fragebogen kommt in mehreren Kontexten zum Einsatz:

Was FUNCAP nicht kann

Wie jeder Selbsteinschätzungs-Fragebogen bildet auch FUNCAP eine subjektive Momentaufnahme ab, kein objektives Laborergebnis. Er ersetzt keine ärztliche Diagnostik und sollte immer im Zusammenspiel mit einer fachärztlichen Einschätzung betrachtet werden. Zudem erfasst er den Schweregrad an sich – er liefert keine automatische Pacing-Empfehlung und keine Vorhersage, wie viel Belastung an einem bestimmten Tag "sicher" ist. Dafür braucht es zusätzlich die eigene Beobachtung von PEM-Mustern im Alltag, zum Beispiel über ein Crash-Tagebuch.

FUNCAP und Pacing: Wie passt das zusammen?

FUNCAP und Pacing ergänzen sich gut, messen aber unterschiedliche Dinge: FUNCAP dokumentiert den Schweregrad über Wochen und Monate, während Pacing-Tools wie mypacing eher die kurzfristige Belastungssteuerung im Alltag unterstützen – etwa durch Crash-Tagebuch, Wearable-Auswertung und Musterkennung. Wer beide Ansätze kombiniert, hat sowohl den langfristigen Verlauf als auch die tägliche Belastungssteuerung im Blick.

Selbst ausprobieren: mypacing bietet einen eigenen, kostenlosen FUNCAP-Rechner – alle 55 Items in 8 Domänen, komplett ohne Konto und ohne dass Antworten den Browser verlassen. Ergebnis inklusive Domänen-Profil (Radar-Chart) und optionalem, rein lokalem Verlaufs-Tracking.

Hinweis: mypacing ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapie. FUNCAP ist ein Selbsteinschätzungs-Instrument und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Quellen