Pacing richtig verstehen: 3 Grundregeln – und die Fehler, die Anfänger:innen am häufigsten machen

Understanding Pacing Correctly: 3 Basic Rules – and the Mistakes Beginners Make Most Often

Pacing ist mehr als „mehr ausruhen“. Die 3 Grundregeln, typische Anfängerfehler und warum Pacing bei ME/CFS und Long Covid oft missverstanden wird.

Wer nach einer ME/CFS- oder Long-Covid-Diagnose zum ersten Mal von „Pacing“ hört, denkt oft: Das bedeutet einfach, sich mehr zu schonen. Genau dieses Missverständnis führt jedoch dazu, dass Pacing in der Praxis häufig nicht die erhoffte Wirkung zeigt – nicht weil die Methode nicht funktioniert, sondern weil sie anders angewendet wird, als sie gedacht ist. Dieser Artikel schaut sich drei Grundregeln genauer an, die bei der Einführung von Pacing oft zu kurz kommen, und benennt die Stolperfallen, in die Anfänger:innen besonders häufig tappen.

Was Pacing ist – und was es nicht ist

Pacing bezeichnet einen Selbstmanagement-Ansatz, mit dem Betroffene lernen, ihre vorhandene Energie so einzusetzen, dass das Risiko einer Post-Exertional Malaise (PEM) – also einer verzögerten Verschlechterung nach Belastung – möglichst gering bleibt. Die britische Gesundheitsbehörde NICE beschreibt Pacing in ihrer Leitlinie als einen von der betroffenen Person selbst gesteuerten Ansatz, der alle Arten von Aktivität umfasst – kognitiv, körperlich, emotional und sozial – und der Menschen hilft, ihre Energie zu nutzen, während "reducing their risk of post-exertional malaise or worsening their symptoms by exceeding their limits" im Fokus steht. Wichtig ist dabei auch, was Pacing nicht ist: Es ist keine Anweisung, möglichst wenig zu tun oder sich komplett zurückzuziehen. Fachleute von Long Covid Physio betonen ausdrücklich, dass Pacing keine reine Vermeidungsstrategie von Aktivität ist, sondern ein Werkzeug, um Überlastung zu minimieren und dennoch möglichst viel vom eigenen Leben zu erhalten. Pacing ist außerdem nicht dasselbe wie Graded Exercise Therapy (GET), bei der Aktivität nach einem festen Schema gesteigert wird – ein Ansatz, den NICE ausdrücklich nicht mehr empfiehlt, wenn PEM vorliegt.

Die drei Grundregeln des Pacing

Die häufigsten Anfängerfehler beim Pacing

Gerade am Anfang schleichen sich typische Denkmuster ein, die Pacing unwirksam machen können:

Ein Hinweis zum Umgang mit Rückschlägen

Es lohnt sich, sich vor Augen zu halten: Auch mit sorgfältigem Pacing lässt sich PEM nicht in jedem Fall vollständig verhindern. Manche Auslöser – ein Arzttermin, eine Familienfeier, eine unerwartete Anstrengung – sind schlicht nicht vermeidbar. Ziel von Pacing ist nicht Perfektion, sondern eine Verringerung von Häufigkeit und Schwere solcher Verschlechterungen im Alltag.

Wer beim eigenen Pacing wiederholt an dieselben Muster stößt, profitiert oft davon, das eigene Aktivitäts- und Symptomverhalten über einen längeren Zeitraum systematisch zu dokumentieren – zum Beispiel mit einer strukturierten Tracking-App. So lassen sich individuelle Muster und Frühwarnzeichen leichter erkennen. Ersetzen kann eine solche Dokumentation aber keine ärztliche oder therapeutische Begleitung: Insbesondere bei starken oder sich verschlechternden Symptomen sollte immer fachärztlicher Rat eingeholt werden.